Habe ich den Heiligen Geist beleidigt?

Gefragt von Orange
Frau liest nachdenklich in Bibel

© Worshae/Unsplash

Sehr geehrte Frau Klee,
Mich beschäftigt schon seit einiger Zeit eine Frage, denn ich habe Angst um mein Seelenheil. Ich habe Angst, den Heiligen Geist in meinen Gedanken beleidigt zu haben. Ich habe es nicht bewusst gemacht. Es ist eher so, dass diese beleidigende Gedanken zeitweise kreisen und ich nichts dagegen tun kann. Vor lauter Angst habe ich meine Schwiegermutter um Rat gefragt (Sie ist katholisch). Ihre Aussage war: "Du musst es laut aussprechen". Denn Jesus hat gepredigt - Gedanken sind frei. Auch ist der heilige Geist in schlechten Menschen, da er sie wieder auf den richtigen Weg bringen möchte.
Andere sagen wieder: "Wenn du dir die Frage selbst stellst, ob du ihn beleidigt hast. So hast du ihn nicht beleidigt. Ich bereue zutiefst und ich fühle mich wirklich sehr schlecht.

Mit freundlichen Grüßen

Liebe*r Orange,

herzlichen Dank für Ihre Frage.

In den Evangelien lesen wir von der Lästerung gegen den Heiligen Geist: "Wahrlich, ich sage euch: Alles wird den Menschenkindern vergeben werden, die Sünden und die Lästerungen, so viel sie auch lästern mögen; wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig." (Mk 3,28-29). In dem Kontext des Markusevangeliums geht es darum, dass Jesus in Frage gestellt wird. Die Schriftgelehrten führen seine Handlung auf Beelezbub, den obersten der Dämonen zurück. Jesus antwortet daraufhin, dass man zwar ihn anzweifeln kann, aber dass man göttliche Wunder nicht auf Dämonen zurückführen darf - das sei eine Sünde. Die Wunder sind vom Heiligen Geist gewirkt.

Ich verstehe, dass es Sie sehr beunruhigt, dass Sie gedanklich gegen den Heiligen Geist gelästert haben könnten. Wie Sie selbst schreiben, fühlen Sie sich deswegen schuldig und haben Angst um ihr Seelenheil. Leider können wir unsere Gedanken nicht kontrollieren, sie kommen und gehen. Und manchmal können sie auch sehr negativ, fast schon gotteslästerlich sein. Aber: Der Heilige Geist "wohnt" in Christinnen und Christen, und zwar durch die Taufe für immer. Der Geist befähigt einen sogar zum Glauben an Jesus Christus (Joh 14,16). Solange Sie glauben, sich hinterfragen und Vergebung erhoffen, wirkt der Heilige Geist noch in Ihnen. Er ist weiterhin da. Die Rechtfertigung aus Gnade gilt Ihnen also weiterhin.

Vielmehr bezieht sich Mk 3,28-29 also auf die Menschen, die nicht an den christlichen Gott glauben und nicht zu ihm bekehren. Nur sie können den Heiligen Geist lästern und die Wunder Gottes für Werke der Dämonen halten. Sie verleugnen damit den Heiligen Geist und spüren sein Wirken in der Welt nicht. So versteht Martin Luther die Bibelstelle, er meint, dass vor allem die fehlende Reue Grund dafür ist, dass Lästerungen gegen den Heiligen Geist nicht vergeben werden.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und Gottes Segen,

bleiben Sie behütet,

Johanna Klee

 

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