Wie gehe ich mit Personen um, deren normaler Sprachgebrauch aus Schimpfwörtern besteht? Diese Person ist auch sehr zornig und wütend und für mich als Christin sehr herausfordernd.
Herzlichen Dank und Gottes Segen.
Hallo Sylvia,
ich kann mir gut vorstellen, dass das eine herausfordernde Situation für dich ist. Zuerst stellst Du deine Frage recht allgemein, im zweiten Satz klingt es aber so, als hättest du eine ganz bestimmte Person im Kopf. Ich weiß natürlich nicht, um wen es geht, deshalb versuche ich, die Frage etwas allgemeiner zu beantworten.
Wenn eine Person häufig Schimpfwörter verwendet und oft wütend oder zornig ist, kann es sehr schwierig sein, eine normale Unterhaltung zu führen. Als Christinnen und Christen versuchen wir ja, selbst keine Gewalt anzuwenden, weder mit Worten noch mit Taten. In der Bergpredigt ruft uns Jesus zur Feindesliebe auf (Matthäus 5,43–48). Daher solltest du selbst möglichst einen normalen Sprachgebrauch aufrechterhalten, um die Situation nicht zu eskalieren und deinem Gegenüber dennoch Wertschätzung entgegenzubringen. Vielleicht kannst du versuchen, die Person einmal in einem ruhigen Moment zu erwischen. Das Verhalten der Person fordert dich heraus. Sprich genau das an. Greife mit deinen Worten nicht die andere Person an sich an und überschütte sie nicht mit Vorwürfen. Hilfreich ist es, Ich-Botschaften zu formulieren. Wie fühlst du dich, wenn die Person Schimpfwörter verwendet und in Zorn gerät? Was macht das mit dir?
Vielleicht kannst du herausfinden, warum sich die Person so verhält. Gibt es etwas, was sie belastet, leidet sie unter einer Erkrankung oder erlebt anderweitig eine schwere Zeit? Womöglich kannst du ihr in einem ruhigen Gespräch Hilfe anbieten oder sie auf Hilfsangebote aufmerksam machen.
Sollte es nicht möglich sein, mit der Person sachlich ins Gespräch zu kommen, stellt sich natürlich die Frage, was du tun kannst, um mit der herausfordernden Situation umzugehen. Spielt die Person eine wichtige Rolle in Deinem Leben und ist der Kontakt mit ihr notwendig? Wenn nein, könntest du darüber nachdenken, den Kontakt mit der Person zu reduzieren oder zu vermeiden. Wenn du unter dem Kontakt leidest, kann das ein notwendiger Schritt sein, wenn andere Möglichkeiten nicht fruchten. Die Evangelien erzählen, dass auch Jesus sich zurückzog, wenn er mit Menschen zu tun hatte, die wütend auf ihn waren. In Nazareth wollten die Menschen ihn laut Lukas 4,16–30 sogar steinigen, bevor er die Gegend verließ. Markus 5,1–20 erzählt davon, dass Jesus die Gegend der Gerasener verlässt, als er nach der Heilung des Besessenen, die den Tod einer Schweineherde zur Folge hatte, darum gebeten wird.
Was Jesus auch tat, ist sich zurückzuziehen und sich bewusst Zeit für Gespräche mit Gott zu nehmen (z.B. Lukas 5,16). Vielleicht hilft es dir, wenn du die herausfordernde Situation mit ins Gebet nimmst und sowohl für die andere Person, als auch dich selbst betest – dafür, dass ihr Zorn schwindet und du einen guten Umgang mit der Situation findest. Vertraue dich am besten auch Menschen an, denen Du vertraust, wenn du Gesprächsbedarf hast. Wenn die andere Person dich und andere Menschen konkret mit Schimpfwörtern beleidigen sollte, wäre natürlich auch eine rechtliche Grenze überschritten.
Herzliche Grüße
Paul Krombach