Warum gibt es uns Menschen?

Gefragt von Amelie
Schöpfungsdarstellung von Buonarrotti Michelangelo

© epd-bild / KNA-Bild

Hallo,
ich frage mich in letzte Zeit öfters, wofür ich eigentlich lebe und was mein Leben der Welt und Gott bringt. So ist mir die Frage gekommen, warum Gott eigentlich die Menschen erschaffen hat.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Danke im Voraus.
Amelie

Liebe Amelie, 

vielen Dank für Deine Zeilen. Eine riesige Frage in wenigen Worten. Manchmal stolpern wir Menschen ja ganz schön ziellos durchs Leben. Man weiß nicht, in welche Richtung das eigene Leben gehen soll und ist orientierungslos. Man fragt sich, was man eigentlich wirklich Bedeutsames tut und ob es eigentlich einen Unterschied macht, dass man da ist. Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eine, die ganz viele Menschen begleitet. 

Du fragst Dich, was Dein Leben der Welt und Gott bringt. Ich möchte gern zurückfragen, ob es eigentlich unbedingt sein muss, dass Dein Dasein der Welt und Gott etwas bringt. Ich glaube, dass das Leben jedes einzelnen Menschen ein Geschenk ist, eine Gabe, die nicht mit einer Gegenleistung oder einem Zweck verbunden ist. Ich kann mir Gott nicht so vorstellen, dass er uns wie Schachfiguren auf ein Spielfeld setzt und jede ist für eine bestimmte Kombination an Schritten da. Vielmehr glaube ich, dass Gott seine Freude an uns hat nur, weil wir leben. Natürlich ist es beeindruckend, wenn Menschen Großes für andere leisten, aber der Wert eines Menschen bemisst sich nicht an seinen Leistungen. Den hat er schon, wenn er auf die Welt kommt. 

Daran, dass wir Menschen immer nach einem Sinn unseres Daseins suchen, ändert natürlich auch diese Überzeugung nichts. Mir selbst geht es so, dass ich auch nicht immer und ständig meinem Leben einen Sinn abgewinnen kann, aber manchmal gibt es diese Augenblicke, in denen ich so etwas spüre wie eine Stimmigkeit in meinem Leben. Dann hab ich das Gefühl, es macht Sinn, wer ich bin und was ich tue. Oft sind das aber eher kurze Momente und dann wird das wieder fraglich. Ich glaube, so ist das mit dem Sinn. Vielleicht geht es eher darum, immer wieder diese Frage zu stellen, als eine für ein ganzes Leben zufrieden stellende Antwort zu haben. 

Zum Schluss fragst Du danach, warum Gott die Menschen geschaffen hat. Über die letzten Beweggründe in Gott für dieses oder jenes Gründe zu benennen ist schwierig. Es ist ja so, dass Gott der letzte Grund aller Dinge ist. Da gibt es dann keine Gründe mehr, die ihm noch voraus liegen. Wenn ich doch eine Antwort versuchen sollte, würde ich sagen, dass Gott ein Gegenüber braucht, um Gott sein zu können. Wenn Gott die Liebe ist, ist es schließlich ziemlich eintönig in Ewigkeit nur sich selbst zu lieben... 

Ich fand Deine Frage, warum Gott die Menschen geschaffen hat, so interessant, dass ich meine Freunde bei facebook um humorvolle Antworten gebeten habe. Im Humor steckt ja manchmal eine tiefe Wahrheit. Einige Antworten schreibe ich Dir hier mal: 

"Er brauchte Groupies, die beklatschen, was er Schönes gemacht hat. Sehr menschlich."

"Katzen waren zu eigensinnig. (Spoiler: Menschen entpuppten sich als noch eigensinniger)"

"Kein Bock auf Gartenarbeit..."

"Was soll sie denn sonst mit der ganzen Liebe machen?"

"Vielleicht wollte er was zum Lachen und Kopfschütteln haben..."

Sicher habe ich Dir, liebe Amelie, jetzt nicht die ultimative Antwort geliefert, auf die Du vielleicht gehofft hast. Aber ich hoffe, dass ich Dich ein Stück weit bei Deinem Fragen begleiten konnte. Ich wünsche Dir Segen und Neugier beim immer wieder neuen Fragen nach dem Sinn und dass Du Dir Deine Nachdenklichkeit bewahrst. 

Herzlich

Katharina

 

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