Dreifaltigkeit - wie gehe ich damit um?

Trudi Rellstab-Kreis
Umgang mit der Dreifaltigkeit.

Liebe Trudi, 

Ihr Frage an unser evangelisch.fragen.de Team habe ich gelesen und bin etwas ratlos. "Was soll ich antworten?" frage ich mich, weil Sie nur einen Satz schreiben. Doch dann bin ich auch ganz dankbar, weil es Ihnen offensichtlich um die Dreifaltigkeit geht, also um den dreieinigen Gott. Ich vermute Ihre Frage klingt so: Wie kann ich an diese Dreieinigkeit glauben wenn Gott nur ein Gott ist? Ist es noch der Glaube an den Gott von dem die Bibel Zeugnis gibt, ist es noch Monotheismus, wenn man von der Dreieinigkeit, also der Trinität spricht? 

Es gibt hier im Fragenbereich von evangelisch.de schon eine superklare Antwort. Frank Muchlinsky hat diese Antwort verfasst und führt an die Ursprünge der "Trinitätslehre" heran. Aber auch die Evangelische Kirche in Deutschland gibt eine Antwort, die einfach klar ist. 

Ich möchte Ihnen ein Beispiel aus dem hohen Norden geben. In der mittelalterlichen Kirche auf der Insel Amrum wurde von Jahrzehnten beim Heizungseinbau der Fußboden aufgerissen. Unter den alten Bohlen tauchte ein sehr schwerer Stein auf, der nur grob behauen worden ist. Man erkennt ein Dreieck, die Spitzen weisen in drei Richtungen. Man erklärte die Bedeutung dieses merkwürdigen Stein so: Bei der Missionierung der Inselbevölkerung trat die Kirche gegen die starken Götter der Urzeiten und gegen eine übermächtige Geisterwelt an. Die nordischen Gottheiten füllten das Leben vollkommen aus und ließen viel Platz für alle möglichen Ängste. Nun kam der christliche Glaube und versprach, dass künftig alles viel einfacher sein würde: Der christliche Glaube kennt nur einen Gott (wie dieser Stein nur ein Stein ist). Gott wirkt allerdings in in drei unterschiedliche Richtungen (wie die Ecken des Steines in unterschiedliche Richtungen weisen). So verhält sich der Glaube an Gott: Es ist nur ein Gott (Symbol: der eine Stein) aber Gott wirkt in drei unterschiedlichen Weisen. Er ist der Schöpfer, dieser - manchmal gefährdeten und bedrohlichen - Welt (Symbol: eine Ecke des Dreieckes) er ist Christus der Erlöser (Symbol: die zweite Ecke des Dreieckes), der aus Schuld und Gefahren herausführt und er ist der Heilige Geist, der Versöhner (Symbol: die dritte Ecke des Dreieckes), der die Menschen zur Gemeinde verbindet und in diesem Leben und der Ewigkeit vollendet, dessen Wirken schon jetzt Frieden schaffen will. So wurde die Einheit Gottes erklärt und seine Wirkungen in unterschiedliche Bereiche hinein erläutert. 

Offenbar hat das Bild mit dem grob behauenen Findling überzeugt, denn der christliche Glaube setzte sich durch: Die Dreifaltigkeit reduzierte die überaus komplexe religiöse Götterwelt auf den Glauben an den einen Gott, der als Vater, Sohn und Heiliger Geist wirkt. Das Leben wurde einfacher, die vielen der uralten Ängste stark reduziert. 

Am Ausgang der Inselkirche auf Amrum können Sie diesen Stein übrigens besichtigen. 

Herzlich, Ihr Henning Kiene 

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