Hallo, ich glaube seit meiner Geburt an Gott doch kommt er irgendwie nicht an meine Seele. Was kann ich da tun? Irgendwann nahm ich Drogen um zu Frieden zu sein, jedoch ohne Erfolg. Ich geriet dann an einen Menschen der mir sagte ich und meine Familie seien verflucht und ich könne diesen Fluch gegen Geld auflösen. Ich habe irgendwie nicht wirklich daran geglaubt und habe später quasi im Affekt versucht meine Eltern zu töten, was mir Gott sei Dank, nicht gelungen ist. Ich lebe jetzt nicht mehr bei meinen Eltern und bin irgendwie eine Spur glücklicher, doch Gott und die Beziehung zu einer Frau scheinen weiterhin unmöglich. Was kann ich bloß tun?
Lieber Norbert,
Sie schenken uns, dem Fragen-Team der evangelischen Kirche, Ihr Vertrauen und richten die wichtigste Frage Ihres Lebens an uns. Ich danke Ihnen für diesen Vertrauensvorschuss. In der Schilderung Ihres bisherigen Lebens lese ich von langen, dunklen Zeiten. Drogen, falsche Freundschaft, leere Versprechen, Mordgedanken und ein Versuch, Trennung von den Eltern, eine leichte Besserung und doch ist da weder zu einem Menschen noch zu Gott eine echte Beziehung. Und dann die Frage: "Was kann ich tun?"
Doch ich lese auch Ihren ersten Satz: "Ich glaube seit meiner Geburt an Gott". Sie haben offenbar nicht aufgegeben, eine Beziehung zu einem anderen Menschen und zu Gott zu suchen. Sie geben hier selbst eine Antwort auf Ihre eigene Frage. Denn Sie benennen etwas, was Sie schon immer begleitet: "Ich glaube seit meiner Geburt an Gott." Wenn dieser Satz in Ihren Ohren gut klingt, in Ihnen positive Gefühle weckt, Sie erleichtert, dann ist das der erste Schritt: Die Besinnung auf das, was Sie im Leben ursprünglich stärkt. Da scheint mir Ihre Seele immerhin leicht von Gott berührt zu sein.
Der christliche Glaube rechnet mit einem gnädigen Gott, der gewährt jedem Menschen die Möglichkeit für einen Neubeginn. Glaube rechnet auch mit Wundern. Vielleicht können Sie an diesen ersten Satz, den Sie schreiben, geduldig anknüpfen. Möglicherweise ist der wie ein "Mantra" und öffnet Ihnen eine Antwort auf Ihre Frage. Was Sie genau tun sollen, kann ich Ihnen nicht sagen, aber ich kann Sie anregen, den diesem einen Satz festzuhalten, den immer zu wiederholen: "Ich glaube seit meiner Geburt an Gott." Ein Gebet können Sie hinzufügen: "Gott zeige mir diesen Glauben." Und dann können Sie auch beginnen, Ihr Leben anders zu erzählen. Da sind auch helle Momente, Ihnen sind auch Menschen begegnet, die es gut mit Ihnen meinen, es gibt vermutlich - gerade auch außerhalb der eignen Familie - Frauen und Männer, die Ihnen gut tun. Also: Probeweise können Sie versuchen Ihre Perspektive zu wechseln, statt auf den Mangel, auf das Gelingen zu achten. Da wird die Seele dann auf eine geheimnisvolle Weise vom Glauben berührt.
Während ich diese Antwort an Sie schreibe, spüre ich, dass ich begonnen habe für Sie zu beten: "Wie köstlich ist deine Güte, Gott, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel Zuflucht haben!" (Psalm 36,8) Ich bin mir sicher, unter dem Schatten, den der Flügel Gottes schützend über uns ausbreitet, ist Platz, Sie und Ihre Seele sind gewiss von Gott schon berührt.
Herzlich grüße ich Sie, Ihr Henning Kiene