Ist es schlimm, nur einmal das Abendmahl eingenommen zu haben?

Gefragt von Monika Bosecke
Online-Abendmahl

© epd-bild/Jens Schulze

Hallo Frau Scholl,
ich habe nur 1x bei meiner Konfirmation das Abendmahl eingenommen und seither nicht mehr.
Inzwischen bin ich 7o. Früher als Jugendliche bin ich oft und gerne in die Kirche gegangen, danach nicht mehr. Ich bin Gläubige Christin. Inzwischen kann ich seit 16 Jahren aus gesundheitlichen Gründen das Haus nicht mehr verlassen und könnte nicht in die Kirche gehen, um am Abendmahl teilzunehmen
Meine Frage:
Ist es aus christlicher Sicht verwerflich, nur 1x das Abendmahl eingenommen zu haben?
Mit freundlichen Grüßen
Monika Bosecke

Liebe Frau Bosecke, 

herzlichen Dank für Ihre Frage. Beim Abendmahl wird in gottesdienstlicher Gemeinschaft die Nähe zu Christus gefeiert und beim gemeinsamen Essen und trinken leiblich gespürt. Es gibt dabei keine Regeln zur Häufigkeit, so als müsse man eine Strichliste über die Teilnahme führen. Man gehört auch nicht weniger zur Kirche (geschweige denn weniger zu Jesus), wenn man weniger häufig Abendmahl gefeiert hat im Leben als jemand anderes. Mit der Taufe wächst ein Mensch in die kirchliche Gemeinschaft hinein und diese Zugehörigkeit gilt ganz jenseits von Teilnahmehäufigkeiten beim Abendmahl. In vergangenen Zeiten haben sogar Gemeinden entschieden ganz bewusst seltener zu feiern, um die Besonderheit der Feier zu akzentuieren. Das hat leider nicht selten zu einigen Berührungsängsten mit der Feier geführt. 

In Ihrem ganz konkreten Fall geht es also weniger darum, ob Sie müssen, sondern vielmehr darum, ob Sie ein Bedürfnis danach haben das Abendmahl zu feiern. Abendmahlsfeiern nicht bloß im Kirchenraum möglich, sondern ebenso an anderen Orten, so auch in ihrem Wohnzimmer oder an einem anderen Ort in Ihrem Haus. Sollten Sie sich wünschen, das Abendmahl einzunehmen, haben Sie die Möglichkeit, Ihren Pfarrer oder Ihre Pfarrerin vor Ort zu bitten, Sie mal anlässlich eines Hausabendmahls zu besuchen. Die Kollegin oder der Kollege wird sicher gern mit Ihnen das Abendmahl feiern. 

Da Sie mir hier bei evangelisch.de schreiben, vermute ich, dass Sie vielleicht regelmäßig online sind. Ein Effekt der Pandemie ist, dass Menschen vermehrt auch digital verbunden miteinander Abendmahl feiern. Sie haben einfach ein Stück Brot und Wein oder Saft daheim und verbunden via Zoom feiern Sie mit anderen am Bildschirm. Ich selbst habe ganz berührende Feiern dieser Art erlebt in den letzten Monaten. Eine Möglichkeit dazu bietet sich zum Beispiel regelmäßig unter www.brot-liebe.net. Wenn Sie etwas recherchieren, würden Sie aber sicher auch andere digitale Feiern finden. 

Sie sehen, beim Abendmahl geht es weniger darum, was Sie müssen, sondern vielmehr darum, was Ihnen gut tut. Wenn Sie spüren, dass Sie ein Bedürfnis danach haben, die Nähe Jesu Christi zu schmecken, dann möchte ich sie ermutigen, einen der Wege, die ich Ihnen beschrieben habe, mal für sich auszuprobieren. 

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen auf Ihrem weiteren Weg!

Katharina Scholl

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