Wie verhalte ich mich als evangelische Christin in einer katholischen Messe?

gestellt von Marion am 18. Juni 2012
Katholische Messe

© Getty Images/iStockphoto/wideonet

Wie verhalte ich mich als evangelischer Christ in einer katholischen Messe? Bekreuzigen und Niederknien sind mir fremd, soll ich dennoch diese Gesten mitmachen? Gibt es ein angemessene Alternative? Sitzen anstelle des Kniens erscheint mir unsachgemäß, schließlich würde man bei vergleichbaren Passagen im evangelischen Gottesdienst eher stehen als sitzen. Darf ich an der Kommunion teilnehmen? Weihwasser, etwa bei Beerdigungen, braucht man nicht zu verwenden, oder?

Ich denke, ich werde den Katholiken nicht gerecht, wenn ich ihre Handlungsweisen einfach adaptiere ohne es ernst zu meinen. Die pragmatischte Lösung ist sicherlich, keine katholische Messe mehr zu besuchen. Abgesehen von Trauungen oder Beerdigungen, bei denen ich eher aus Anlass an einem katholischen Gottesdienst teilnehme, kann der Besuch einer allgemeinen Sonntagsmesse allerdings auch den christlichen Horizont erweitern.

Liebe Marion,

Sie haben vollkommen Recht: Als evangelische Christin an einer katholischen Messe teilzunehmen, erweitert den Horizont. In Ihrem Fall schärft es anscheinend auch die Wahrnehmung dessen, was Ihnen als Protestantin wichtig ist. Was Ihnen fremd ist in der Messe, was Ihnen vielleicht Unbehagen bereitet, sollten Sie darum einfach lassen. Sie brauchen sich weder zu bekreuzigen, noch müssen Sie knien. Zu stehen, wenn die anderen sich hinknien, ist keine gute Alternative, weil das wie ein deutlicher Widerspruch aufgefasst werden könnte. Bleiben Sie lieber sitzen. Das wird vielleicht denen, die neben oder direkt hinter Ihnen sind, auffallen. Aber es bleiben auch ältere Leute sitzen und knien sich nicht hin. AAber auch wenn man Sie als Gast erkennt, muss Ihnen nicht unangenehm sein - Sie sind ja in der Tat ein Gast, und was Sie tun, tun Sie aus Ihren guten Gründen.

An der Kommunion dürfen Sie leider nicht teilnehmen, weil wir keine "Mahlgemeinschaft" mit den Katholiken haben. Wenn Sie es dennoch tun, bringen Sie den Pfarrer in Verlegenheit, denn er muss es Ihnen eigentlich verwehren. Wenn Sie mögen, können Sie auch den Pfarrer einmal fragen, wie er es sich vorstellt, auf welche Weise Sie an der Messe teilnehmen. Vielleicht hat er ja auch noch eine Idee.

So weit meine Tipps. Mit freundlichen Grüßen
Frank Muchlinsky

 

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Kommentare

Ein Tip von mir:
Wenn sich die Katholiken hinknien, bleibe ich sitzen, rutsche aber auf meiner Bank nach vorne. Dadurch hat mein Hintermann mehr Platz.
Durch meine Haltung signalisiere ich, dass ich durchaus am Gebet teilnehme.

Ich gehe regelmäßig in die katholische Messe und es stehen regelmäßig Leute während sich andere niederknien.
Ich nehme auch als evangelischer Christ an der Kommunion Teil. Meiner Meinung nach gibt es nur einen Leib Christi und der kann nicht geteilt sein.

Leider sind nicht alle Ratschläge von Frank Muchlinsky so richtig. Wer sich im Gottesdienst hinsetzt, statt zu knien, verhält sich grob unhöflich. Zu Stehen dagegen ist grundsätzlich immer erlaubt und laut Messbuch sogar die eigentliche Haltung während der Messe.
Ich persönlich freue mich, wenn auch Nichtkatholiken den Gottesdienst mitfeiern möchten, aber nicht, wenn sie sich wie bloße Zuschauer verhalten.

Das ist lustig. Die Frage hier ist schon älter, und ich hatte in der ersten Version meiner Antwort das Stehen durchaus vorgschlagen. Das wurde mir dann aber "um die Ohren gehauen". Danke für den Kommentar!

Die Aussage zur Teilnahme an der Kommunion sind aus der Sicht der Amtskirche richtig. Die gelebte Praxis ist jedoch eine andere. Ich kenne einen Pfarrer der ausdrücklich ALLE Gläubigen zu Kommunion einläd. Der Ratschlag mit dem zuständigen Pfarrer zu reden ist daher absolut richtig!

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