Das Papsttum und der Antichrist

gestellt von Gast am 19. Juli 2011

In den USA behauptet eine sehr konservative lutherische Konfession, das Wisconsin Evangelical Lutheran Synod, dass sie und alle lutherischen Kirchen glauben, das Papsttum, wenn auch nicht der regierende Papst selbst, sei der Antichrist. Sie sagen, Martin Luther selbst habe so geglaubt, und diese Lehre sei in lutherischen Bekenntnissen verankert. Stimmt das? Lehrt auch die EKD, dass das Papsttum der Antichrist sei?

Lieber "Gast",

die Gleichsetzung des Papsttums mit dem Antichrist geht tatsächlich auf Martin Luther zurück. In den lutherischen Kirchen Deutschlands hat sie allerdings keinen Bekenntnisstatus (also keine Verbindlichkeit). In den USA führte die Frage, ob die lutherischen Bekenntnisschriften diese Identifikation eindeutig gelehrt hätten, 1867 dazu, dass man sich auf dem sogenannten „Kolloquium von Milwaukee“ nicht zwischen der Missouri- und der Iowa-Synode einigen konnte. „Erstere vertritt jenen Standpunkt noch heute, während letztere … dem Antichristverständnis des kontinentalen Neuluthertums zuneigte.“ (Theologische Realenzyklopädie, Bd. 3, Art. Antichrist, S.39)
Die Evangelische Kirche Deutschlands (EKD) ist übrigens der Zusammenschluss verschiedener protestantischer (nicht nur lutherischer) Kirchen. Diese Kirchen haben jeweils ihre eigenen Bekenntnisse. Die EKD lehrt also nicht, dass das Papsttum der Antichtist sei.

Insgesamt sind die Überlegungen zum Antichrist in der zeitgenössischen evangelischen Theologie im Rahmen der Lehre von der Endzeit (Eschatologie) kaum noch vorhanden. Und die polemische Gleichsetzung von Papsttum und Antichrist steht einem ökumenischen Bemühen freilich sehr im Wege.

Den oben zitierten TRE-Artikel kann ich übrigens sehr empfehlen, wenn Sie genau wissen wollen, was für „Metamorphosen“ die Vorstellung vom Antichrist in der Kirchengeschichte so durchgemacht hat. Auch der Gleichsetzung von Antichrist und Papsttum widmet sich er Artikel ausführlich.

Herzlich, Frank Muchlinsky

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Kommentare

Gemäß der Malachias-Weissagungen soll der Antichrist nach dem jetzigen Papst in Erscheinung treten. Bei mir selbst gibt es eine sehr starke Ähnlichkeit mit der Prophetie, weil ich in 2009 beinahe infolge von Dekubitus gestorben wäre, der Krankenhaustag lt. Auskunft meiner Stationsärztin 666 kostete und ich mich trotz Wachkoma an eine katholische Visite in einer Kapelle, auch mit Papstkrone, zu erinnern glaube. Der ehemalige Papst bezog sich darauf, dass ihm mein Vater bekannt ist.

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