Wie läuft die Vorbereitung für eine Erwachsenentaufe ab?

gestellt von Anke Güthoff am 3. Februar 2019

Sehr geehrte Frau Pastorin Klee,

ich bin nicht getauft worden als Kind und möchte mich als Erwachsene gerne taufen lassen. Ich habe schon die Pfarrerin angeschrieben per E-Mail und angerufen und um einen Termin gebeten. Darauf hin hatte ich ein Gespräch mit einer Vikarin und sie hat mir erklärt, dass die Taufe gleichzeitig Konfirmation ist und ich einmal im Monat Konfirmationsunterricht machen soll. Jetzt wollte ich anfangen und die Pastorin anfragen, ob ich das auch wöchentlich machen kann. Ich habe auch schon den Pfarrer von der örtlichen Kirche angeschrieben, weil die Pfarrerin keine Zeit hat, aber er geht bald in Ruhestand und die Zuständigkeit der Kirchen ist hier etwas kompliziert. Es tut sich nichts? Niemand hat Zeit. Von der Vikarin werde ich vertröstet und sie geht auch diesen Monat weg. Generell dauert es ein halbes bis 1 Jahr bis man getauft wird. Was kann ich tun, damit es nicht so ewig dauert? Kann ich mich wo anders taufen lassen? Für eine Fahrt zum Jordan habe ich kein Geld.

Mit freundlichen Grüßen
A.Güthoff

Sehr geehrte Frau Güthoff,

ich freue mich sehr, dass Sie sich taufen lassen möchten! Das ist ein mutiger und wichtiger Schritt. Ich bin mir sicher, Sie haben lange Zeit über diese Entscheidung nachgedacht. Kein Wunder also, dass Sie sich nun so schnell wie möglich taufen lassen möchten. Ich selbst wurde auch erst mit 14 Jahren im Rahmen des Konfirmandenunterrichts getauft und konnte es kaum erwarten. Deswegen bewegen mich die Taufen von Jugendlichen und Erwachsenen immer ganz besonders.

In der evangelischen Kirche Deutschlands sind Erwachsenentaufen eher selten. Das war ganz zu Beginn des Christentums noch anders. Da konnten sich Menschen im gesamten Laufe ihres Lebens für Christus entscheiden. Sie wurden dann mit Wasser auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft (Mt 28,16-20). Manchmal wurden auch ganze Familien getauft.

Mit dem Gelehrten Augustin änderte sich die Taufpraxis. Es wurden nun eher Kinder kurz nach der Geburt getauft. Die Entscheidung dafür traf die Familie. Die Kinder sollten das Geschenk der Taufe empfangen, damit ihnen das Böse nichts anhaben kann und damit sie in die christliche Gemeinschaft aufgenommen werden. Bei der Taufe sagt Gott "Ja" zum Täufling, ohne, dass der Täufling dafür etwas tun muss. Das ist Gottes Geschenk an uns: Er verspricht uns, uns unser ganzes Leben lang zu begleiten.

In der Reformationszeit entstand ein Streit um die Kindertaufe. Es ging darum, ob nicht auch das "Ja" des Täuflings zu Gott, also die bewusste Entscheidung, nötig ist. Daher wurde die Konfirmation eingeführt. Mit 14 gelten Jugendliche als religionsmündig und können selbst "Ja" zu Gott sagen. Wer bei der Taufe schon älter als 14 Jahre ist, braucht daher die Konfirmation nicht mehr. Die Konfirmation ist quasi die Bekräftigung der Taufe.

Weil Erwachsenentaufen heutzutage so selten geworden sind, gibt es in der evangelischen Kirche keine einheitliche Taufpraxis. In manchen Orten wird ein Taufunterricht angeboten, der über mehrere Monate geht. Oder aber es werden einzelne Termine für Taufgespräche in einem bestimmten Zeitraum miteinander vereinbart. Der Täufling soll die Möglichkeit bekommen, sich ganz bewusst mit dem christlichen Glauben auseinanderzusetzen und die Kirchengemeinde kennenzulernen. In den Taufgesprächen können Fragen zum Christentum gestellt werden. Und es wird natürlich auch die Gestaltung der Taufe selbst besprochen. Daher dauert es eben manchmal etwas, bis die eigentliche Taufe stattfindet.

Wenn Sie mögen, können Sie sich auch in einer Nachbargemeinde erkunden, wie dort die Taufpraxis ist. Wenn Sie sich für Ihre Nachbargemeinde entscheiden, brauchen Sie das Einverständnis von Ihrer Heimatgemeinde, dass Sie sich woanders taufen lassen möchten. Das ist natürlich ganz schön viel bürokratischer Aufwand! Aber ich hoffe, dass Sie das nicht abschreckt.

Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall alles Gute für Ihre mutige Entscheidung, für Ihr Ja zu Gott! Möge Gottes Segen Sie auf Ihrem Weg begleiten.

Beste Grüße,

Johanna Klee

 

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