Sind Hinduismus und Christentum miteinander vereinbar?

gestellt von Elisa am 20. Februar 2019

Guten Tag liebe Frau Klee! Mein Freund und ich wollen bald heiraten. Er ist Tamile und seine Eltern sind Hindus. Der Hinduismus ist seiner Meinung nach sehr offen gegenüber anderen Religionen, da man dort ja auch mehrere verschiedene Götter haben darf. Er ist in Deutschland geboren und seine Eltern haben ihn schon als Kind im evangelischen Religionsunterricht angemeldet (damit er keine Freistunde hat und keinen Quatsch macht ;)) und er hat sogar bei der evangelischen Jugend mitgemacht, weil da alle seine Freunde waren und es ihm Spaß gemacht hat. Jetzt als Erwachsener geht er in eine Kirche oder Kapelle und betet zum lieben Gott wenn er ein Problem hat. Er könnte sich auch vorstellen, sich taufen zu lassen und kirchlich zu heiraten. Er fragt mich aber, ob es ein Problem mit dem ersten Gebot geben könnte “Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir." In seiner Familie stehen natürlich ganz viele Bilder von anderen Göttern herum und seine Eltern beten auch zu denen und das finden wir auch nicht schlimm oder so.
Ich könnte mir vorstellen, das Gebot ist so gemeint, dass man wenn es drauf ankommt, wissen soll wo man hingehört. Dass man z.B. wenn man gegen ein Gebot verstoßen, z.B. Ehe brechen will nicht einfach sagt, ja im Hinduistischen gibt es aber einen Gott, der hat zwei Frauen, also ist das okay. Also sich nicht einfach einen Gott aussucht, der einem gerade passt....
Oder wie sehen Sie das?
Könnten seine Verwandten, die natürlich alle Hindus bleiben, zur Hochzeit in die Kirche kommen, wenn sie das wollen?
Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort! Elisa

Hallo Elisa,

danke für diese Frage!

Eine Beziehung zu einem Menschen aus einem anderen Kulturkreis stellt eine Beziehung vor spannende Herausforderungen. Schon bei zwei Menschen, die christlich erzogen wurden, müssen verschiedene Wertvorstellungen übereins gebracht werden. Welche Rolle haben Mann und Frau? Welche Aufgaben werden im alltäglichen Leben übernommen? Welchen Stellenwert haben Liebe und Treue? Um solche Fragen zu klären, braucht eine Ehe viele Gespräche, eine gute Kommunikation. Das trifft auf interkulturelle Beziehungen noch einmal mehr zu!

Sie beide haben Ihre ganz eigene religiöse Prägung. Und da gibt es erst einmal kein richtig oder falsch. Sie müssen gemeinsam Kompromisse finden, damit Ihre Beziehung gelingt. Für eine evangelische Hochzeit ist es nicht nötig, dass ihr Freund den christlichen Glauben annimmt. Und natürlich können seine Familienangehörigen ganz selbstverständlich bei der Trauung teilnehmen. Bei einem Traugespräch können mit dem Pfarrer oder der Pfarrerin auch besprechen, wie Sie sich die Trauung inhaltlich vorstellen. Vielleicht ist Ihrem zukünftigen Mann ja auch etwas wichtig, was in der Trauung vorkommen soll?

Nun war ja aber auch Ihre Frage, wie es sich mit dem ersten Gebot verhält. Das erste Gebot meint tatsächlich, dass es nur einen Gott gibt. An ihm hängt unser Herz, er hat die höchste Priorität in unserem Leben. Auch Geld, Besitz, Macht oder andere säkulare Güter - unseren moderne Gottheiten - sollen nicht wichtiger sein als er (vgl. Luthers Katechismus). Wer sich für den christlichen Glauben entscheidet, entscheidet sich auch für dieses Gebot. Er entscheidet sich für den Glauben an den einen Gott. Ich persönlich stelle mir das schwer vereinbar mit dem Hinduismus vor. Ich bin mir aber bewusst, dass es sehr oft vorkommt, dass Menschen ihre eigene kulturelle Prägung mit dem Christentum vereinen.

Letztlich bleibt es also dabei, dass Sie beide miteinander kommunizieren müssen, was Ihnen im Glauben und in der Partnerschaft wichtig ist. Und vor allem: Wie Sie beide zukünftige Kinder erziehen möchten. Lernen Sie wechselseitig Ihre Kulturen voneinander kennen, üben Sie sich in Verständnis, Toleranz und Liebe.

Ich wünsche Ihnen alles Gute dafür!

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