Wo steht, dass Gott die Liebe ist?

Gefragt von Stephan Levko
Gott ist Liebe

©Gaelle Marcel/unsplash

Die Rede von der Liebe Gottes ist in der Verkündigung unendlich. Auch eine oder mehr Antworten zu Fragen der Liebe Gottes, hier in evangelisch.de stellen diese These auf. Deshalb meine Frage: An welcher Stelle der Bibel gibt Gott die eindeutige (also nicht abgeleitete) wörtliche Selbstauskunft, die (unbedingte) Liebe zu sein, (unbedingt) zu lieben?
Er spricht ja öfter mal über sich. zB Im Intro zu den 10 Geboten. (Drohung mit Sippenhaft und Ankündigung von Korruption) Theoretisch müsste die Selbstauskunft Gottes zu Seiner Liebe, jedeR Prediger*in in seiner dienstlichen Bibel-Zitate-Sammlung, schon abrufbar haben. Nur hörte ich das/die ZitatE noch nie. Immer nur:
== Gott liebt uns, wenn...... Das ist bedingte Liebe, also KEINE Liebe, nur eine Liebessimulation und damit total wertlos
== Dritte es sagen/behaupten es (zB Jesus). Dritte können über jeden viel erzählen. Der Sohn über den Vater, der ihn gekreuzigt sehen will (…den Kelch vorüber gehen lassen? Auch nein, doch nicht)
== Ungültig - weil sinnlos - ist für mich, wenn die Liebe Gottes für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht gestellt wird.
== Meist - auch total wertlos, da (irrungsfähige) individuelle Meinung/Beurteilung - Wenn Umstände/Aussagen/Taten als Liebe "gedeutet" werden ohne das diese diese es definitiv sein müssen.
Es gilt nur die eindeutige Selbstaussage Gottes in der Bibel zu seiner Liebe. Wie lautet die? Und wie oft kommt sie (in Varianten) vor?
Danke

Lieber Herr Levko,

ich kann Ihre Frage gut verstehen. Wir sehnen uns alle nach möglichst großer Eindeutigkeit und Klarheit. Gerade in unsicheren Zeiten wird diese Sehnsucht noch größer. Leider machen Sie in Ihrer Frage eine Prämisse, Sie stellen also eine Behauptung auf, die mindestens fragwürdig ist. Sie schreiben: "Es gilt nur die eindeutige Selbstaussage Gottes in der Bibel zu seiner Liebe." Das können Sie für sich selbst so behaupten, aber als allgemeingültiger Satz ist er nicht richtig, denn so denkt das Christentum nicht.

Ihr Satz setzt voraus, dass Gott sich direkt in der Bibel offenbart, also so, als hätte er die Bibel jemandem diktiert. Dann wäre es durchaus möglich, dass Gott zu dem Schreiber oder der Schreiberin gesagt hätte: "So, und damit keine Missverständnisse aufkommen, schreib: Ich Gott, bin die Liebe." Es gibt zwar Passagen in der Bibel, in denen Gott zum Beispiel Mose direkt sagt, was er aufschreiben soll, aber für das Christentum sind diese Bibelstellen nicht maßgeblicher als beispielsweise der Vers des 1. Johannesbriefes, der sagt: "Wer nicht liebt, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe." (1. Joh 4,8)

Eine zweite Prämisse, die Sie machen, ist ebenso nicht haltbar: Sie sprechen von Jesus als einem "Dritten", also als einem Menschen, der auch nur wiedergibt, was er so hört oder meint. Nach christlichem Verständnis ist Jesus Christus aber so unmittelbar mit Gott verbunden, dass man ihn mit Gott gleichsetzt. Was Sie von der Bibel "erwarten", nämlich, dass sie direkt offenbart, was Gott ist, ist nach christlichem Verständnis durch Jesus Christus geschehen: Wer wissen will, was Gott ist, kann es an ihm sehen. Wenn man nun die "unbedingt Liebe" Gottes angeht, so sagt Jesus zum Beispiel in Joh 3,16: "Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Das kommt nach christlicher Tradition einer "Selbstaussage" Gottes ziemlich nah, doch spielt das, wie erläutert, keine Rolle, denn es handelt sich letztlich um eine Bekenntnisaussage, die sich auf die Überlieferungen stützt, aber deswegen nicht wörtlich sein muss.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen deutlich machen, warum die christliche Verkündigung mit Fug und Recht von der unbedingten Liebe Gottes reden kann.

Beste Grüße

Frank Muchlinsky

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