Angst vor der Apokalypse

Fragestellerin
Angst vor der Apokalypse
©Getty Images/iStockphoto/wjarek

Liebes Team, 

die Offenbarung des Johannes, also die Apokalypse bzw. auch die Texte zum Antichrist und der großen Bedrängnis machen mir zu schaffen und auch Angst. Ich habe schon einiges dazu gelesen und bin nun verwirrt. Denken Sie, dass man die Offenbarung gar nicht so ernst nehmen sollte? Oder als etwas, was so in der Zukunft auf alle Fälle noch passieren wird, da es ja in der Bibel steht? 

Wie stehen Sie zu der Offenbarung? Ich habe auf fragen evangelisch auch schon gelesen, dass die Offenbarung gar nicht mehr so stark im Theologiestudium behandelt wird. Wie ernst ist sie denn dann überhaupt zu nehmen? Vielleicht können Sie mir ja etwas die Angst diesbezüglich nehmen. Ich danke für Ihre Zeit und Ihre Antwort. Liebe Grüße.

Liebe Debora,

vielen Dank für Ihre Frage. Gerne möchte ich Ihnen einen Schlüssel an die Hand geben, der Ihnen hoffentlich einen neuen Blick auf die Offenbarung des Johannes ermöglicht. 

Mit Ihrer Angst sind Sie nicht allein. Der Text der Apokalypse ist so eindrucksvoll geschrieben, dass beim Lesen lebendige Bilder vor Augen entstehen. Die gesamte Film- und Popkultur wird durch diese fantastischen Beschreibungen geprägt. Insbesondere schaurige Bilder wie das Tier mit der Zahl 666 oder die vier apokalyptischen Reiter haben sich weit über die Bibel hinaus verbreitet. 

In meinem Theologiestudium spielte die Apokalypse eine große Rolle, unter anderem wurde ihre Sprache analysiert. Denn durch ungenaue Übersetzung entsteht der Eindruck, dass die beschriebenen Geschehnisse auf jeden Fall eintreffen werden. Zu Beginn der Offenbarung erhält Johannes die Anweisung, was er tun soll. Das wird in fast allen Bibeln in etwa so übersetzt: "Schreib auf, was du gesehen hast, was jetzt gerade geschieht und was später geschehen wird." (Basis Bibel)

Im Deutschen bedeutet „geschehen wird“, dass ein zukünftiges Ereignis auf jeden Fall eintrifft. Das altgriechische Wort, dass in der Textquelle verwendet wird, ist jedoch treffender mit „im Begriff sein“ zu übersetzen: Schreibe nun, was du gesehen hast und was im Begriff ist danach zu geschehen." Im Deutschen ist „im Begriff sein“ etwas, dass noch abgewendet werden kann. Gott ist in der Vision des Johannes im Begriff etwas zu tun – und unter bestimmten Voraussetzungen wird er anders handeln.

Diese Voraussetzung wird mehrfach genannt: Menschen sollen zum Umdenken bewegt werden. Mehrfach wird beschrieben, dass all diese Dinge dann geschehen, wenn wir nicht umdenken und umlenken (Apk 2,5; Apk 2,16; Apk 2,22; usw.). Dass die Dinge genauso eintreffen werden, wie in der Apokalypse beschrieben, muss also nicht zwingend so kommen – die Bilder dienen eher als abschreckendes Szenario.

Dabei sollte die Apokalypse in ihrer Entstehung bedrängten Christinnen und Christen Hoffnung spenden. Kraft zum Durchhalten geben, bis Gottes Reich anbricht. Zeigen, dass es sich lohnt, an Gott festzuhalten und in Beziehung zu ihm zu stehen, auch wenn die Zeiten gerade schwierig sind.  Hier schwingt die Frage an uns mit: Wie verhalte ich mich, bis Gottes Reich kommt? Ich denke, das ist nach wie vor ernst zu nehmen.


Für evangelische Christ:innen ist die Hoffnung auf Gottes Gnade zentral und damit schließt die Offenbarung: "Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!" Johannes enthüllte zudem viele tröstliche Bilder für uns, diese nehmen mir endgültig die Angst vor apokalyptischen Schreckensszenarien: Gott wird bei uns Menschen wohnen und  jede Träne von unseren Augen abwischen.

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass sich Ihre Angst mit der Zeit in Hoffnung wandeln wird.

Herzlichst,

Ihre Helena Malsy

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