Wie kann ich dem Glauben wieder Raum in meinem Leben schaffen?

Uwe

Hallo, ich bin mit 56 Jahren nach fast 30 Jahren Kirchenaustritt wieder in die evangelische Kirche eingetreten. Glaube und Kirche haben für mich noch nie eine große Rolle gespielt. Die Konfirmation habe ich über mich ergehen lassen, weil es damals alle gemacht haben und es gab ja auch viele Geldgeschenke. Am 30.04.2025 bin ich zufällig Teilnehmer des Eröffnungsgottesdienst des Kirchentages in Hannover geworden. Es fühlte sich alles so gut an und es gab mir den Anstoß mal wieder über Jesus nachzudenken. Aber ich finde irgendwie nicht den Dreh, wie ich mich intensiver mit der Bibel und dem Glaube beschäftigen kann

Lieber Uwe,

welch Zufall, ich war auch beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Mir ging es ähnlich, die Gottesdienste waren so, dass ich sagte: "Davon würde ich gerne mehr erleben!" Es gab guten Gesang zu Liedern, die die Stimmung hoben, ich habe - gerade auch im Abschlussgottesdienst - sehr bewegende Predigten gehört. Und das Feierabendmahl am Freitag im Pfarrgarten des Landesbischofs war mein Highlight. Wenn sich zigtausend Menschen treffen, ihren Glauben feiern und vertiefen, in Bibelarbeiten etwas Neues lernen wollen, dann trägt die Atmosphäre, die die große, gut gestimmte Menschenmenge erzeugt, diese Stimmung. Und: Es ist eben kein Alltag, sondern Kirchentag. Dann tritt - nach dem Kirchentag - das Thema Glauben auch wieder in die zweite Reihe. Die konzentrierte Atmosphäre, die den Kirchentag ausmacht, bleibt zurück und erscheint dann nur als ein Ausnahmezustand. Aber bei Ihnen ist - wie bei mir - etwas in Bewegung geraten und diese Bewegung bleibt. Sie denken über Jesus nach und wollen Ihren Glauben vertiefen. Der Glaube, dieser Anstoß, den Sie beschreiben, gibt dem, was für Sie nur eine kleine Rolle spielte und scheinbar nur an der Oberfläche wirkte, einen hohen Wert. 

Ihre Erinnerung an Ihre Konfirmation ist irgendwie typisch. Man denkt Jahre später, alles wäre nur an der Oberfläche geblieben. Die Erinnerung an die Zehn Gebote ist stark, dass man damals das Vaterunser kannte und den 23. Psalm aufsagen musste, verblasst. Vermutlich erinnern Sie auch die zentralen biblischen Texte und die Gemeinschaft in der Gruppe. Man denkt leicht geringschätzig über diese Zeit. Aber häufig passiert mehr, als man denkt. Ich gehe davon aus, dass die Predigt beim Kirchentag an eine Erinnerung, die tiefer in Sie eingedrungen ist, anknüpfen konnte. Dass Sie jetzt mehr über Jesus erfahren möchten, hat seinen Anfang auch in dem, was Sie früher einmal erlebt haben. Vielleicht war Ihre Konfirmandenzeit besser, als Sie bisher gedacht haben. Bitte prüfen Sie einmal Ihre Erinnerungen und kommen dann zu den Fragen, die in die Zukunft weisen: Was möchte ich genauer mit dem Glauben erleben? Was soll sich an meinen Lebenseinstellungen ändern? Wohin kann der Glaube mich führen? 

Ich kennen einen Mann, der - ähnlich wie Sie - seinen Glauben neu finden will. Der hat sich die Hörbibel auf sein Smartphone geladen und hört bei längeren Zug- und Autofahren das Neue Testament und will nun mit dem 1. Buch Mose beginnen. Es ist eine fremde und fast neue Welt, die sich ihm öffnet. Er ist zufrieden, die Bibel zu lesen, das geht so "nebenbei", sagt er. Aber er besucht gelegentlich auch Gottesdienste um sich besser zu orientieren. Gerade an den Festtagen findet er einen inneren Halt in der Kirche. 

Nun könnte ich Ihnen Angebote an Glaubenskursen und Bibelstunden unterbreiten. Aber das Angebot in Ihrer Nähe können Sie selbst finden, jede Landekirche bietet Kurse und geistliche Begleitung an, die auch exklusiv Frauen und Männer im Berufsleben anspricht. Sie sind - so vermute ich - in die Abläufe und Routinen des beruflichen Alltags voll eingebunden. Sie müssen sich Ihre knappe und wertvolle Zeiten jenseits von Beruf und privaten Pflichten gut einteilen. Der "Dreh", den Sie nicht finden, ist wirklich schwer zu nehmen. Setzen Sie sich bitte nicht unter Druck! 

Ich möchte Ihnen drei Richtungen nennen: Wenn Sie eher eine intellektuelle Einführung in den christlichen Glauben suchen, dann werden Sie in der Bildungsarbeit der Evangelischen Akademien fündig. Suchen Sie eher den spirituelle Zugang zum Glauben, der sich gut anfühlt, dann würde ich persönlich im Urlaub eine Woche auf Pilgerschaft gehen. Vielleicht schließen Sie sich einer Gruppe an. Und: In jedem Fall wird die Gemeindepastorin oder der Gemeindepastor an Ihrem Wohnort sich freuen, Sie in Sachen Bibel und Glaube an Jesus Christus zu beraten. 

Der Glaube an Jesus Christus ist ein Glaube, der nach Wissen fragt, ich wünsche Ihnen, dass Ihr Erlebnis auf dem Kirchentag zu einem Schlüsselmoment wird und Ihnen neue Erfahrungen schenkt. 

Herzlich grüße ich Sie, Ihr Henning Kiene 

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