Hey, mein Name ist Sam und ich bin aktiver Kiffer, also Genussraucher nicht medizinisch. Ich hab manchmal dabei ein schlechtes Gewissen vor Gott, teils weil ich nicht weiß, wie Gott darüber denkt und weil viele in christlichen Foren Petrus (1.Petrus5,8) zitieren: "Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge“, und es für falsch halten. Ich meine, ich kiffe einmal die Woche einen Joint und ich denke, das ist wie ein Glas Wein trinken. Hättet ihr einen theologischen Rat?
Lieber Sam,
zunächst einmal: Es ist gut, dass Du dich fragst, ob dein Verhalten richtig ist. Gerade wenn es um den Konsum von Drogen geht – seien es nun Cannabis oder Alkohol oder andere Rauschmittel – fehlt es oft genau daran: anhalten, nachdenken, sich fragen, ob es richtig ist, was man tut. Übrigens gilt das für so ziemlich unser ganzes Leben. Wer öfter mal innehält, kann bessere Entscheidungen treffen.
Damit sind wir auch schon bei Deiner Frage. Die Tatsache, dass Du dich fragst, ob Du etwas falsch machst, spricht bereits für deine „Nüchternheit“ in dieser Sache. Sicherlich ist es absolut angesagt, dass wir alle nüchtern durch die Welt und den Alltag gehen. Allzu viel Unsinn wird uns erzählt. Ich würde es sogar auch eine teuflische Sache nennen, wie viele Menschen derzeit versuchen, Wahrheiten zu verdrehen oder zu ignorieren. Der Satan ist in der Bibel derjenige, der genau das tut. Darum nicke ich heftig bei der Stelle in dem ersten Petrusbrief: Ja, lasst uns alle bitte vernünftig und nüchtern und wachsam sein, wenn uns irgendwelche Populisten, die nur ihre eigenen Interessen verfolgen, uns verführen wollen – weg von dem Weg der Liebe, hin auf den Weg des Misstrauens und des Hasses.
Du siehst, ich gehe an diese Bibelstelle anders heran als die Leute in den Foren. Ich sehe hier keinen Aufruf, auf Rauschmittel zu verzichten – obwohl das sicherlich auch zur Nüchternheit dazugehört, von der der Verfasser des Briefes hier schreibt. Es geht um allgemeine Aufmerksamkeit, es geht darum, sich immer wieder zu fragen, ob man auf dem richtigen Weg ist. Nüchtern sein, bedeutet, nicht nachzuplappern, was andere einem vorsagen. Es bedeutet, Faktenchecks zu machen.
Tja, und Cannabis? Es ist eine Droge. Ja, wie Alkohol. Nüchtern bleibt man nicht, wenn man es konsumiert. Soll man darauf verzichten? Besser ist das. Hat Jesus Drogen konsumiert? Ja, Alkohol schon. Wein galt damals und gilt in unserer Gesellschaft heute immer noch als Genussmittel. Als Zubehör für fröhliches Beisammensein. Diesen Status hat Cannabis in der breiten Gesellschaft nicht.
Du bittest um einen Rat. Hier ist er: Bleib nüchtern und wachsam. Frag dich immer wieder, ob Du noch frei bist aufzuhören. Bleib ehrlich dabei. Und frag immer wieder nach, wenn dir Leute was sagen.
Herzliche Grüße
Frank Muchlinsky