Warum lässt Gott Kriege, Armut und Krankheiten zu?

Simone Karl
Mann hebt anklagend die Hände gen Himmel
© Getty-Images/iStockphoto/Tinnakorn Jorruang

Wieso lässt Gott Kriege zu? Warum gibt es so viele arme Menschen? Wieso lässt Gott Krankheiten zu, gerade auch oft bei christlichen Menschen? Vielleicht kann man diese Fragen in eine Antwort packen, weil sie ja alle Elend betreffen, was oft daraus entsteht. Wenn nicht dann sind es einfach 3 Fragen.

Hallo Simone,

das sind Fragen, die sehr viele Menschen bewegen. Auch hier in unserem Fragenportal bekommen wir sie immer wieder gestellt. Meine Antwort wird somit eine unter vielen sein.

Deine ersten beiden Fragen beantworte ich zusammengefasst. Egal ob Kriege oder Armut, beides sind Bereiche, für die Gott nicht verantwortlich ist. Gott führt keine Kriege, beutet andere nicht aus und ist solidarisch mit den Menschen, die in Armut leben. Wir Menschen sind es, die all das tun. In der aktuellen Weltlage finden wir dazu immer wieder Beispiele. Diejenigen, die mächtig genug sind, Kriege zu beginnen, hätten auch die Möglichkeit, Frieden zu schaffen – wenn sie denn wollten. Armut könnte es viel weniger geben, wenn reiche Menschen mit ihren ärmeren Mitmenschen solidarisch wären und reiche Länder ärmere Länder nicht ausbeuten würden. Weniger die Menge von Ressourcen ist das Problem als deren Verteilung. In Genesis 1,28 spricht Gott uns Menschen die Herrschaft über die Erde zu, also sind wir auch für das verantwortlich, was auf ihr geschieht. 

Beim Thema Krankheiten wird es komplizierter. Hier gibt es in der Regel keine direkten Verantwortlichen. Die Frage, warum ein allmächtiger Gott solches Leid zulässt, obwohl er uns Menschen liebt, nennt man Theodizee. Im Laufe der Jahrhunderte haben zahlreiche Menschen versucht, eine Antwort zu formulieren. Eine objektive und allgemeingültige Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Bei Antwortversuchen stoßen wir oft auf das Problem, dass wir bei Gott von drei grundlegenden Eigenschaften ausgehen: von seiner Allmacht, seiner unendlichen Liebe zu uns und einem Handeln, das für uns verstehbar ist. Versuchen wir, die Theodizee-Frage zu beantworten, müssen wir je nach Erklärungsansatz oft einen dieser drei Aspekte ausblenden, was sehr unbefriedigend sein kann. Ich will damit nicht sagen, dass die Suche nach einer Antwort unnötig ist – ganz im Gegenteil. Deine Frage zeugt von Empathie, weil Dich das Leid in der Welt nicht kaltlässt. Gerade Krankheiten betreffen uns ja oft sehr direkt – bei uns selbst oder bei Menschen, die uns nahestehen. Ich glaube, die „Warum“-Frage ist wichtig, weil sie uns zum „Wie“ leitet. Wir Menschen sind nicht perfekt und genauso wenig ist es unsere Welt. Deswegen gehören Krankheiten leider zu ihr und treffen Christen und Christinnen genauso wie andere Menschen. Die Frage ist, wie wir damit umgehen, und da kann Gott helfen.

Gott lässt das Leid in der Welt nicht kalt, denn er hat es selbst erlebt. Er ist ein mitleidender Gott. Gott wurde in Jesus Mensch und litt entsetzliche Schmerzen am Kreuz, bis hin zum Tod. Am Kreuz zitiert Jesus eine Frage aus Psalm 22, die wir uns angesichts des Leids in der Welt vielleicht auch manchmal stellen: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15,34). Aber dieser Psalm geht weiter. Er handelt auch von dem Vertrauen, das die Menschen früherer Generationen immer wieder in Gott gelegt haben, erzählt bildgewaltig von scheinbar ausweglosen Situationen – immer mit der Hoffnung auf Rettung durch Gott – und endet mit Lobgesang. Er illustriert, worauf wir hoffen können. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.“ (Matthäus 5,4) Vor wenigen Tagen haben wir das Osterfest gefeiert und damit, dass Jesus den Tod am Kreuz überwindet und wieder aufersteht. Deswegen können wir darauf hoffen, dass eines Tages jedes Leid überwunden sein wird. 

Vielleicht fragst du dich bei dieser Antwort, was sie dir im Hier und Jetzt geben kann. Ich glaube, dass diese Verheißung uns helfen kann, im Alltag mit Leid umzugehen. Wenn wir in der Perspektive leben, dass irgendwann alles gut wird und bis dahin immer jemand an unserer Seite ist, der mitleidet, hilft uns Menschen das vielleicht, empathisch zu bleiben, uns gegenseitig zu unterstützen und angesichts des Leids in der Welt, nicht den Mut zu verlieren und handlungsfähig zu bleiben.

Weil es in der Theologie sehr unterschiedliche Antworten auf deine Fragen gibt, möchte ich dir zum Schluss noch eine aktuelle Antwort von Henning Kiene auf eine ähnliche Frage ans Herz legen.

Herzliche Grüße

Paul Krombach
 

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