Wie kann ich Gott mit allen Sinnen erfahren?

Hannah
Abendmahl
© Hans-Georg Vorndran/FUNDUS

Ich bin evangelisch. Seit einem Besuch einer katholischen Beerdigungsfeier fühle ich mich in meiner evangelischen Kirche um Riten und Bräuche betrogen. Kreuzigung/Weihwasser/Salbung/Räucherung. Einzig meine Kirche ist historisch. Die katholische Kirche im Ort hingegen ist ein Neubau. Dieser Umstand lässt mich noch zögern vom evangelischen zum katholischen zu wechseln. Dann hätte ich all das, was mir in der evangelischen Kirche verwehrt wird, allerdings fehlt dann wieder das historische Kirchengebäude. Wie kann ich diese Nähe, welche ich durch die Sakramente empfinde, mich viel näher bei Gott fühle, als evangelischer Christ in meiner evangelischen Kirche erleben? Ich empfinde mittlerweile die evangelische Kirche zu modern, zu weltlich.

Hallo Hannah,

es ist erstmal gut, dass du für dich erkannt hast, dass äußere Rituale und Bräuche und auch das Gebäude, in dem du Gottesdienst feierst, für deinen persönlichen Glauben wichtig sind. Darauf kannst du aufbauen und vielleicht etwas darüber nachdenken, was daran genau dazu führt, dass du dich Gott näher fühlst. Vielleicht ist es ja die sinnliche Ebene, dass du das Gefühl hast, etwas von ihm riechen, schmecken und spüren zu können. In der katholischen Liturgie sind solche Elemente tatsächlich eher vorhanden. Weihrauch und Räucherzeremonien wirst du in evangelischen Kirchen nicht finden. Bekreuzigen kannst du dich auch in der evangelischen Kirche, wenn diese Geste für dich wichtig ist. Von dem, was du aufzählst, ist nur die Salbung ein Sakrament, das es in der evangelischen Kirche im Kontext von Segnungen auch gibt. Möglich ist in der evangelischen Kirche auch das Beichten, nicht nur als gemeinsames Gebet im Gottesdienst, sondern auch in einem Seelsorgegespräch mit einer Pfarrperson. In der katholischen Kirche gibt es neben der Salbung die weiteren Sakramente Taufe, Firmung, Ehe, Buße, Weihe und Eucharistie.


In der evangelischen Kirche gibt es nur zwei Sakramente, die Taufe und das Abendmahl. Vielleicht hilft dir als erster Schritt die bewusste Teilnahme am Abendmahl, dich auch in der evangelischen Kirche Gott näher zu fühlen. Manche evangelischen Kirchen bieten Gottesdienstformen an, in denen das Abendmahl besonders im Zentrum steht. Vielleicht regst du so etwas einmal in deiner Gemeinde an, um Gott mit allen Sinnen zu erfahren. Im Gottesdienst heißt es passend dazu häufig, zitiert aus Psalm 34,9a, „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.“

In deinem Fragetext überlegst du ja auch, gegebenenfalls zur katholischen Kirche zu wechseln. Letztlich musst du dir selbst die Frage beantworten, in welcher Kirche du dich eher zuhause fühlst und welche Punkte dabei für dich ausschlaggebend sind. Ich würde dir gerne die Idee mitgeben, einfach mal Gottesdienste in beiden Kirchen zu besuchen. Abseits davon, dass du als Protestantin nicht an der Eucharistie in der katholischen Kirche teilnehmen kannst, gibt es dabei keinerlei Einschränkungen. Vielleicht hilft dir das bei der Entscheidungsfindung, oder aber du entdeckst es als gewinnbringend, in beiden Kirchen unterwegs zu sein.

Herzliche Grüße
Paul Krombach
 

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