Gute Christin auch ohne Kirchgang?

Maxi
Rosenkranz liegt auf Bibel in einer Kirche.
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Als Erwachsene entschied ich mich für die Taufe und Firmung in der katholischen Kirche. Ich gehe nicht mehr zum Gottesdienst, weil ich in der Kirchengemeinde keinen Anschluss gefunden habe, ich dort ausgegrenzt wurde und mich einsam gefühlt habe. 

Gleichzeitig habe ich Schuldgefühle und ein furchtbar schlechtes Gewissen, dass ich nicht mehr zum Gottesdienst gehe. Ich schaue mir Online-Gottesdienste an oder Übertragungen im TV. 

Ich frage mich, ob ich trotzdem eine gute Christin bin und Gott mich liebt, auch wenn ich mich nicht an das katholische Dogma halte, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen und regelmäßig zu beichten. Ich leide darunter und habe das Gefühl, ausgeschlossen zu sein und nicht wirklich dazu zu gehören. 

Ich habe versucht, mir einen Konfessionswechsel vorzustellen. Es ging nicht. Etwas bindet mich an die katholische Konfession, obwohl ich gleichzeitig unter diesen Vorschriften leide. 

Danke für Ihre Antwort.

Liebe Maxi,

das ist eine unglückliche Situation, in der Sie da sind. Einerseits wünschen Sie sich anscheinend die Gemeinschaft, die im Gottesdienst entsteht, andererseits haben Sie erfahren müssen, dass man sie ausgerechnet in der Kirchengemeinde ausgrenzt.

Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass Ihre Erfahrung von Ausgrenzung dazu geführt hat, dass Sie den Gottesdienst in Ihrer Gemeinde lieber nicht mehr besuchen, sondern lieber an Online- oder Fernsehgottesdiensten teilnehmen. Dass Sie deswegen nun ein schlechtes Gewisse haben, macht Ihre Lage zusätzlich kompliziert.

Lassen Sie mich darum zunächst die Frage beantworten, bei der ich mir ganz sicher bei der Antwort bin und bei der es auch keine Rolle spielt, dass ich ein evangelischer und kein katholischer Pfarrer bin: Liebt Gott Sie? Ja. Punkt. Das wird Ihnen auch jeder katholische Priester so sagen. Gott liebt uns ohne Bedingung. Gottes Liebe wankt nicht, egal was wir tun. Sind Sie eine „gute Christin“? Nun, ich würde sagen, Sie sind eine ehrliche Christin, die immer wieder nach Gott fragt und die Gemeinschaft mit ihm und anderen sucht, sie sich an Gott halten. Ich würde es unbedingt vermeiden, das Christsein von Menschen – auch von sich selbst – zu bewerten. Christsein ist keine Aufgabe, die wir mehr oder weniger gut erledigen könnten. Es geht vielmehr darum, ob wir einen Weg mit Gott und mit den Menschen finden, den wir auch gehen können. 

Kommen wir nun zu Ihrer Frage nach dem regelmäßigen Besuch der Beichte und des Gottesdienstes. Beides spielt in der Tat in der römisch-katholischen Kirche eine große Rolle. Das führt natürlich dazu, dass das schlechte Gewissen wächst, je länger man nicht erscheint. Das ist ein wenig so, als ob man sich lange bei einer Freundin oder einem Freund nicht gemeldet hat. Irgendwann kommt zu dem schlechten Gewissen noch die Furcht davor, sich Vorwürfe anhören zu müssen.

Wenn Sie mich fragen, so sage ich Ihnen, dass Online-Gottesdienste durchaus echte und vollwertige Gottesdienste sind, ebenso wie Fernsehgottesdienste. Es scheint mir allerdings so, dass Sie etwas vermissen, und wenn dem so ist, dann hilft nur Eines: Gehen Sie wieder einmal zur Beichte und in eine Kirche. Es muss ja nicht unbedingt in Ihrer eigenen Gemeinde sein. Sie würden zumindest eine Hürde auf diese Weise nehmen, die Ihnen im Weg steht. Und dann können Sie sich freier umschauen, wie Ihr Weg weitergehen soll. 

Ob Sie nun Ihrer Gemeinde noch einmal eine Chance geben möchten oder mit Ihrem Pfarrer einmal darüber reden, dass Sie unter einigen Regeln leiden, ob Sie sich eine andere Heimatgemeinde suchen – sei es eine mit Kirchraum oder virtuell – Sie können in jedem Fall gewiss sein, dass Gott Sie liebt und begleiten will.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen – auch aus evangelischer Sicht – ein klein wenig weiterhelfen.

Herzliche Grüße

Frank Muchlinsky 

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